3.4.2 Beweglichkeit der Ladungsträger



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3.4.2 Beweglichkeit der Ladungsträger

 

Die Beweglichkeit der Ladungsträger im Halbleiter - definiert als Proportionalitätsfaktor zwischen Ladungsträgergeschwindigkeit und der auf die Ladungsträger wirkenden Kraft: - wird durch die verschiedensten Streumechanismen im Kristallgitter, wie Streuung an geladenen und ungeladenen Störstellen, Streuung an Phononen, Grenzflächen, Gitterfehlern und an Ladungsträgern selbst bestimmt. In Galliumarsenid wird die Beweglichkeit im wesentlichen durch Phononenstreuung, die Streuung an geladenen Störstellen und die Geschwindigkeitssättigung bestimmt.

Betrachtet man einen reinen Halbleiterkristall im schwachen Feld, so wird die Beweglichkeit durch die Phononenstreuung, die von der Gittertemperatur abhängt, bestimmt ( für `lattice'). Trotz des komplizierten Zusammenhangs mit der Bandstruktur läßt sich diese Abhängigkeit gut durch eine Potenzfunktion annähern.

 

In Bereich der Raumtemperatur gilt und [59]. Die Werte für bewegen sich zwischen und [7][33][58]. Für die Löcherbeweglichkeit liegen die Werte zwischen und .

Der Einfluß der Streuung an geladenen Störstellen ( für `impurity') wird sehr gut durch eine Funktion der Form

beschrieben. Mögliche Werte für , und sind in Tab. 3.2 zusammengestellt.

  
Tabelle 3.2: Beweglichkeitsparameter für Störstellenstreuung

In [7] wird auch noch folgende Formulierung für die kombinierte Löcherbeweglichkeit vorgeschlagen.

Abb. 3.11 und 3.12 zeigen einen Vergleich der oben angeführten Werte und Formulierungen.

  
Abbildung: Dotierungsabhängigkeit der Elektronenbeweglichkeit in GaAs nach Hilsum [31], Hirose [33] und Nakagawa [58]

  
Abbildung: Dotierungsabhängigkeit der Löcherbeweglichkeit in GaAs nach Blakemore [7], Nakagawa [58] und Snowdon [82]

Die Streuung an ungeladenen Störstellen spielt im allgemeinen wegen der geringen Reichweite der auf die Ladungsträger wirkenden Kräfte und der Anzahl der neutralen Störstellen nur eine geringe Rolle. Sie wird in dotiertem GaAs bei der Berechnung der Beweglichkeit normalerweise vernachlässigt. In hochkompensierten semi-isolierenden Substraten, die auch hohe Konzentrationen von tiefen Störstellen enthalten (vgl. Kap. 3.3.1), kann dieser Streumechanismus dominant werden. Experimentelle Untersuchungen an semi-isolierenden Substraten und der Vergleich mit einem numerischen Modell mit vier Energieniveaus (zwei flache und zwei tiefe Störstellen) [53] führen auf folgende kombinierte Elektronenbeweglichkeit ( für 'neutral impurities').

ist die Konzentration der neutralen Störstellen. Bei Werten von einigen für wird Streuung an ungeladenen Störstellen zum limitierenden Faktor für die Elektronenbeweglichkeit.

Eine genaue Beschreibung der Driftgeschwindigkeitssättigung in GaAs ist für den Elektronentransport besonders wichtig. Im Gegensatz zu Silizium, wo es zulässig ist, die Beschreibung des Leitungsbandes im Rahmen der Drift-Diffusionsnäherung auf eine einzige Parabel mit bestimmter effektiver Masse zu reduzieren, ist diese Annahme bei Galliumarsenid nur im Bereich sehr kleiner Feldstärken gerechtfertigt. Die Transporteigenschaften von Galliumarsenid werden im wesentlichen durch das - und das L-Minimum im Leitungsband bestimmt. Im folgenden sollen auch die Ausdrücke - und L-Band für die beiden Minima verwendet werden. Wie in Abb. 3.10 ersichtlich, beträgt der energetische Abstand dieser zwei Bänder ungefähr und ist damit wesentlich kleiner als der Abstand zwischen Leitungs- und Valenzband. Es ist daher zu erwarten, daß das L-Band bereits bei mittleren Feldstärken für den Elektronentransport eine Rolle spielt. Die beiden Bänder unterscheiden sich auch wesentlich in ihrer effektiven Masse. Die ungefähr achtmal geringere effektive Masse und damit auch wesentlich höhere Beweglichkeit der Elektronen im -Minimum bedingt die bekannte Feldabhängigkeit der mittleren Driftgeschwindigkeit der Elektronen in GaAs, die bei ungefähr das Maximum erreicht. Der Wert des Maximums beträgt ungefähr . Bei weiterer Erhöhung der Feldstärke gewinnt auch der Einfluß des im Abstand von auf das L-Minimum folgende X-Minimum an Bedeutung. Da die effektive Masse im X-Minimum noch größer ist als im L-Minimum, bewirkt die Streuung in dieses Band nur eine weitere Reduktion der mittleren Driftgeschwindigkeit der Elektronen.

Dagegen zeigen die Löcher, wie aus der Bandstruktur zu erwarten, kein derartiges Verhalten. Die Geschwindigkeitssättigung läßt sich in diesem Fall durch folgende Funktion beschreiben ( für `force'):

Die Sättigungsgeschwindigkeit wird allgemein mit angenommen [58][82]. Merkliches Einsetzen der Geschwindigkeitssättigung tritt hier im Gegensatz zu den Elektronen erst bei Feldstärken von auf.

Um den Elektronentransport in GaAs im Rahmen der klassischen Drift-Diffusionsnäherung beschreiben zu können, wird die Feldabhängigkeit der Elektronengeschwindigkeit rein empirisch in der Formulierung der Beweglichkeit berücksichtigt. Dabei wird am häufigsten folgende Funktion

mit oder verwendet. Die Werte für die kritische Feldstärke , bei der die maximale Driftgeschwindigkeit auftritt, bewegen sich zwischen und . Die Sättigungsgeschwindigkeit bewegt sich zwischen und . Tab. 3.3 zeigt eine Zusammenstellung der in der Literatur angegebenen Werte.

  
Tabelle 3.3: Beweglichkeitsparameter für Geschwindigkeitssättigung

Um experimentelle Daten besser fitten zu können, wurde von Xu und Shur [91] folgende empirische Formulierung vorgeschlagen,

wobei die Sättigungsgeschwindigkeit , der Koeffizient und der Exponent von abhängig sind.

  
Abbildung: Empirische Formulierungen der mittleren Driftgeschwindigkeit der Elektronen nach Hirose [33], Laux [49] und Xu [91]

Abb. 3.13 und 3.14 zeigen eine Zusammenstellung der oben beschriebenen Modelle für die Driftgeschwindigkeit und die Beweglichkeit der Elektronen in reinem GaAs ().

  
Abbildung: Empirische Formulierungen der Elektronenbeweglichkeit nach Hirose [33], Laux [49] und Xu [91]

In den oben beschriebenen Formulierungen der Beweglichkeit wird die Kopplung zwischen dem -Band und den höherliegenden Bändern nur rein empirisch berücksichtigt. Die Energieerhaltung wird im Rahmen der klassischen Drift-Diffusionsnäherung völlig vernachlässigt. Um zu einer mehr physikalisch motivierten Beschreibung des Elektronentransports zu kommen, die auch die Energieerhaltung enthält, stehen zwei Möglichkeiten offen, die allerdings eine unterschiedliche Komplexität der zu lösenden partiellen Differentialgleichungssysteme aufweisen.

In Kap. 3.1.4 wurde ein Weg gezeigt, das Konzept einer effektiven Beweglichkeit, das ja auch in empirischen Formulierungen enthalten ist, beizubehalten und zu versuchen, die Kopplung der Bänder aus einer getrennten Beschreibung der Teilchen- und Energieerhaltung zu berechnen. Dieses Modell soll nun im folgenden Kapitel diskutiert und weiterentwickelt werden.



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Martin Stiftinger
Fri Oct 14 19:00:51 MET 1994