1 Einleitung



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1 Einleitung

DIE Abmessungen von Bauelementen in integrierten Schaltungen (,,Integrated Circuit`` - IC) sind im Mittel seit 1960 um 13% pro Jahr reduziert worden [Sze90]. In der industriellen Massenproduktion sind heute Halbmikron-Geometrien (also ) z.B. für 16 Megabit Speicherchips Stand der Technik [Kan91] [Hay91]. In mehreren Forschungslaboratorien wird mit Auflösungen von unter gearbeitet (z.B. [Aok92] [Iwa93]). Die hohe Komplexität der IC-Fertigung - ein moderner IC-Herstellungsprozeß besteht aus mehreren hundert Einzelschritten - und die enge Kopplung von Herstellungsvorgang, Bauteilverhalten und Schaltungseigenschaften läßt es immer schwieriger und kostenaufwendiger werden, neue Prozeßtechnologien zu entwickeln.

Traditionell ist die Entwicklung neuer Halbleitertechnologien von einer iterativen Methode geleitet: Ausgehend von einem existierenden Prozeß werden Einzelschritte motiviert durch physikalische Überlegungen abgeändert und die geometrischen Strukturen verkleinert. Die modifizierte Technologie wird in mehreren Losen gefertigt (ein Los umfaßt etwa Halbleiterscheiben, sogenannte ,,Wafer``). Die fertigen Teststrukturen werden elektrisch vermessen und auf Erfüllung der zuvor definierten Zielvorgaben getestet. Die Abänderung von Technologieparametern und das nochmalige Experiment bilden, wie in Abb. 1.1 skizziert, eine Schleife, die zur Optimierung der neuen Technologie zumeist mehrmals durchlaufen werden muß. Dabei kann die Fertigung eines Loses bei einem modernen Prozeß beträchtlich mehr als US$ kosten und mehrere Wochen in Anspruch nehmen [Fic88].

  
Abbildung: Alternative Pfade in der Halbleitertechnologieentwicklung: Experiment und Simulation.

Eine Alternative stellt die simulationsunterstützte Halbleitertechnologieentwicklung [Col90] dar. Die Anwendung spezieller Computerprogramme, den Halbleitertechnologie-CAD- (,,Computer-Aided Design``) Werkzeugen, erlaubt im Vergleich zum Experiment sehr preiswerte und schnelle ,,Computerexperimente``. Erst durch die Simulation werden manche physikalische Größen im Inneren des Bauelements quantitativ erfaßbar, die sich einer Messung grundsätzlich entziehen, z.B. der räumliche Verlauf des elektrischen Feldes, der Ladungsträgerkonzentrationen oder der Stoßionisationsrate. Dieser Einblick in das Halbleitermaterial ermöglicht eine präzisere Analyse und ein vertieftes Verständnis für die physikalischen Vorgänge und ist somit Grundlage für eine weitere Technologieverbesserung.

Im Bereich Halbleitertechnologie-CAD - in der einschlägigen Literatur (z.B. [Dut93b] [Fas93]) hat sich der Terminus Technologie-CAD gif (TCAD) etabliert - werden drei Gruppen von Simulatoren unterschieden (vgl. Abb. 1.2): Die Prozeßsimulation behandelt alle Aspekte der IC-Fertigung. Aus der Abfolge der Prozeßschritte sowie der Maskeninformation wird die Bauelementstruktur und das Dotierungsprofil errechnet. Die Ergebnisse der Prozeßsimulation dienen zusammen mit den angelegten Kontaktspannungen des Bauelements als Eingabe für die Bauelementsimulation. Hierbei werden die elektrischen Kenngrößen des Transistors vornehmlich in Form von Strom-Spannungs-Kennlinien durch wiederholte Berechnungen unter Variation der Kontaktbeschaltung generiert. An der Schnittstelle zum Schaltungssimulator, dem dritten Glied in der Simulationskette, werden die Parameter für die kompakten Bauelementmodelle aus den Kennlinien extrahiert. Mit dem Schaltungssimulator wird ein elektrischer Schaltkreis einer integrierten Schaltung, bestehend aus vielen miteinander verbundenen Bauelementen, analysiert. Zumeist wird der Schaltungssimulator selbst nicht mehr dem Bereich TCAD sondern ECAD (,,Electronic CAD``) [Bar92] zugerechnet,

  
Abbildung 1.2: Simulationsablauf in Halbleitertechnologie-CAD.





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Martin Stiftinger
Mon Oct 17 21:16:53 MET 1994